VDI-Zentrale, Düsseldorf

Verein Deutscher Ingenieure Bezirksverein Saar e.V.

 

Saarländische Ingenieure auf Entdeckungstour im Reich der Mitte

Bildungsreise des VDI BV Saar nach PEKING am 29.03.2004

Pünktlich hob der Jumbo der China Air am 29.03.2004 in Frankfurt ab. Begleitet von einer Vielzahl dunkelhaariger Asiaten fanden wir 60 saarländischen "Langnasen" verstreut Platz in einer vollbesetzten, schlicht ausgestatteten "747". Einfach und nicht sehr freundlich versorgt flogen wir dann der aufgehenden Sonne entgegen.

Nach neun Flugstunden landeten wir gegen 11 Uhr am nächsten Morgen in Peking, dem heutigen Beijing, und wurden von zwei sehr gut Deutsch sprechenden Reiseführern empfangen. Vom Flughafen ging es bei strahlendem Sonnenschein quer durch die 13 Millionen-Stadt, vorbei an zahllosen Hochhäusern und vielen Baustellen, zu unserem im Westen der Stadt gelegenen 32-stöckigen Hotel.

Überraschenderweise wurde im Hotel kaum Englisch gesprochen. Nach dem Einchecken wurde vom chinesischen Reiseleiter eine erste Entdeckungstour durch die Stadt angeboten: es sollte zum "Platz des himmlischen Friedens", einem Aussichtspunkt nahe der "Verbotenen Stadt" (Kohlehügel) gehen und mit einem typischen Abendessen abschliessen. Es bestand aber auch die Möglichkeit, "auf eigene Faust loszuziehen". Erstaunlicherweise wurde es dann in dieser Großstadt gegen 22.00 Uhr still und dunkel.


3. Tag: Am Sonntagmorgen ging es auf ruhigen Straßen durch sehr diesige, trockene und staubige Luft zur Chinesischen Mauer. Bei sehr schlechter Sicht erreichten wir nach ca. 45 min Fahrt eine restaurierte Festung an der 6000 km langen Mauer.
In drei parallelen Reihen folgt die renovierte Mauer den steilen Flanken des Tales. Beim Ersteigen der unregelmäßigen Treppenstufen geriet die kalte trockene Luft schnell in Vergessenheit. In einem großen Souvenirshop wurde anschließend ein gemeinsames, wohlschmeckendes Mittagessen eingenommen.

Der folgende Besuch der Ming Gräber begann mit dem Betreten des Eingangstores zum "Gräbertal" und schloss mit dem Flanieren durch eine Steinsäulenallee, gesäumt mit Tieren, Hofbeamten und mythischen Figuren ab. Danach besuchten wir eine sehr großzügig an einer Hanglage angelegte Grabesstätte samt ihrer unterirdischen Gewölbe, Kammern und einer Grabschmuck Ausstellung.

4. Tag: Während der Fahrt zur "Verbotenen Stadt" erklärte uns unser Reiseführer, dass in China nur 13% der Fläche bewohnbar sind, dass das Heiratsalter aufgrund des Bevölkerungswachstums (10 Mio./Jahr bei ca. 1,3 Mrd. Einwohnern) hoch gesetzt wurde (Männer 25, Frauen 23) und die Mehrkinder-Ehe mit strengen Repressalien belegt ist (Schwierigkeiten bei der Kindes-Anmeldung, Schwierigkeiten in der Beschäftigungsfirma), dass die Arbeitslosigkeit bei 10% liegt, Altersheime immer beliebter werden und das Bildungsniveau auf dem Lande ein Problem ist.

Die "Verbotene Stadt" ist das von gewaltigen roten Mauern und goldenen Dächern bedeckte frühere Zentrum der Chinesischen Macht. Sie unterteilt sich in drei großzügig angelegte öffentliche Höfe. Westlich neben dem öffentlichen Teil befinden sich die noch vollständig eingerichteten Privatgemächer inklusive der Räume für die Konkubinen des Kaisers; alles ist durch ein Gewirr von Gängen und Toren miteinander verbunden. Im nicht besichtigten Ostteil hielten sich die Eunuchen als männliche Bedienstete auf.

Nach dem Mittagessen fernab allen Trubels besuchte unsere Gruppe einen sehr gut erhaltenen und mit ca. 20 Mönchen bewirtschafteten sehr schönen Tempel des Lamaismus, in dem eine beeindruckende 18 Meter hohe Buddha-Statue zu besichtigen war. Anschließend ging es weiter zu einem nahe gelegenen Tempel des Konfuzius, in dem uns Wesenszüge seiner Lehre, sowie auch die Bedeutung der Musik erklärt wurden.

Der erlebnisreiche Tag wurde am Abend in Peking durch eine atemberaubende Akrobatikvorführung in einem Theater nahe dem Botschaftsviertel beendet.

5. Tag: Bei klarem Sonnenschein besuchten wir morgens den an einem künstlichen See gelegenen Sommerpalast des Kaisers. Diese sehr großzügige, parkähnliche Anlage diente als Sommerresidenz und am Ende des Kaiserreiches als permanenter Wohnsitz. Weiter ging es zum sehr geschmackvoll gebauten Himmelstempel, dessen Kennzeichen die runden mit blauen Ziegeln bedeckten Türme sind. Dieser Tempel, in dem sich auch der "Mittelpunkt der Erde" befindet, liegt ebenfalls in einem großen, nach strengen Regeln angeordneten Park.

Nach der Besichtung gingen wir auf eigene Faust zu Fuß in Richtung "Freundschaftsladen" - wir traten in eine andere Welt ein und durchquerten ältere einstöckige graue Wohnviertel durch enge verwinkelte Gassen. Hier lebten vor allem alte Menschen, die in einfachsten, dicht an dicht stehenden Häuschen mit kleinen Innenhöfen wohnten. Auf einem Dachverschlag züchtete jemand Hühner. In diesen Gässchen wirkte ein am Straßenrand geparkter neuer AUDI A6 wie ein Fremdkörper.

 


6. Tag: Das Fachprogramm begann mit einem Besuch einer Getriebefabrik für leichte Nutzfahrzeuge im Osten der Stadt. Hier erwartete uns ein junger Chinese mit einer kurzen Firmenpräsentation und anschließendem Rundgang durch die bewachte Produktion des ca. 2000 Mitarbeiter großen Betriebes. Dieser etwas rückständige und nicht gut ausgelastete Betrieb baut Getriebe in Lizenz (z.B. für ZF) und bemüht sich derzeit um technologischen Anschluss an die Automobilindustrie.

Vorbei am schmutzigen und unübersichtlichen Westbahnhof ging es anschließend weiter auf die Aufsichtsplattform des über 400m hohen Fernsehturms. Bei mittlerer Sicht hatten wir hier einen guten Überblick über das gigantische Ausmaß der Stadt, in der neben Parkanlagen noch zahlreiche alte, niedrig bebaute Bereiche zu erkennen sind, die über kurz oder lang alle verschwinden werden.

Nach der Ankunft im Hotel am Nachmittag entschlossen wir uns zu einer Tour ins "Dong Hang Plaza" ein großes Einkaufszentrum amerikanischen Zuschnitts mit viel Granit, Edelstahl und Glas. Das Einkaufszentrum liegt an einer stark frequentierten Fußgängerzone, wie sie auch in anderen Metropolen der Welt zu finden ist.
Nach Ladenschluss gegen 21.00 Uhr lockten uns rote Lampions zum "Night Market". Hier wurden Landesspezialitäten - von gefüllten Teigtaschen, gebratenem Fleisch am Spieß über gegrillte Schlangen, Skorpione und Käfer bis zu gebackenen Bananen oder Zucker überzogenem Obst - ähnlich einem Weihnachtsmarkt angeboten.


7. Tag: Am letzten Tag wurde eine weitere Tempelbesichtigung und der Besuch der von 400.000 Menschen bewohnten Altstadt angeboten. Dabei hatten wir die Gelegenheit, Kaligraphien, Bilder oder andere Kunstgegenstände zu erstehen.
Die älteste Apotheke (16. Jahrhundert) mit alten chinesischen Naturheilmitteln und zahlreiche Teehäuser lockten die vorbeilaufenden Kunden an. Durch enge Gassen, die beeindruckende Einblicke in die Eß- und Kochgewohnheiten der Chinesen gewährten, gelangten wir an die Südseite des Mao-Mausoleums. Von dort ging es zur Mittagszeit zurück zum Hotel.

Der Nachmittag stand mehr oder weniger zur freien Verfügung. Statt der angebotenen Tour zu einer Seidenfabrik entschieden wir uns, den nahen Zoo zu besuchen. Hier beeindruckte uns am meisten die Unterwasserwelt mit einem untertunnelten, ca. 4 m hohen Korallenriff, in dem sich Fische, Riesen- schildkröten, Rochen, Haie und anderes Getier tummelten.
Ein Pandabär ließ sich nur von seiner Rückseite anschauen, wogegen bei den Raubkatzen die zahlreichen Tiger und Löwen deutlich hör- und sehbar waren.

Auf das abschließende "Pekingentenessen" am Abend verzichteten wir; stattdessen fuhren wir lieber noch einmal zum "Night Market" (siehe oben), wo wir unsere letzten 9,- € einschl. Taxifahrt aufs genüsslichste "verprassten". Mit dem Taxi ging es zu unserer letzten Nacht zurück ins Hotel.

8. Tag: Gegen 10.00 Uhr standen die Busse zum Flughafentransport bereit. Nach kurzer Verabschiedung durch unsere Reiseleiter wurden wir den bekannt akribischen Kontrollen ausgesetzt, bevor die 747 den 10,5 Stunden langen, sehr ruhigen Flug nach Deutschland aufnahm.
Bald schon nutzte unsere Truppe auf saarländisch gesellige Art den Platz im Aufgangbereich zur Business Klasse zum ersten Erfahrungsaustausch bei Wein und Bier.
Gegen 17.30 Uhr verließen wir dann nach planmäßiger Landung den Flughafen Frankfurt mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken im Gepäck.

Fazit: Es war faszinierend, diese im Abstreifen des alten kommunistischen Jochs befindliche Kultur zu erleben, die sich mit großer Macht und Masse hin zum westlich geprägten Individualismus bewegt.
Wir haben die Chinesen als sehr quirlige, zielstrebige, offene und interessierte Zeitgenossen erlebt, die mit einer atemberaubender Geschwindigkeit dabei sind, die westlichen Standards einzuholen oder auch zu überholen. Leider sind sie jedoch dabei auch auf dem Weg, ihre eigene hohe Kultur und auch Herkunft zu vernachlässigen.

Von Jana Gustmann und Thomas Finkler
Fotos: Prof. Bosman, Saarbrücken

(Gekürzte Fassung; den vollständigen Text finden Sie im VDI-Info Blatt, Seite 4)

 

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